In Thailand ist vor Kurzem ein wegweisender Entwurf für eine öffentliche Leitlinie veröffentlicht worden, die den Titel „AI Guide for Citizens“ trägt. Dieses Dokument hat das Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern zu helfen, Künstliche Intelligenz (KI) sicher und verantwortungsbewusst im Alltag zu nutzen. Besonders im Fokus stehen Themen wie Datenschutz, digitale Kompetenz und Risikobewusstsein. Die Leitlinie richtet sich an die allgemeine Öffentlichkeit und bietet praxisnahe Ratschläge für alle Altersgruppen und Berufsgruppen.

Der Leitfaden erklärt grundlegende Konzepte der KI, deren Vorteile und Grenzen und enthält anschauliche Beispiele für generative KI. Ein zentraler Punkt ist die Sicherheit der Daten: Die Bürger werden gewarnt, persönliche Daten, finanzielle Informationen, vertrauliche Inhalte oder staatliche Geheimnisse in öffentliche KI-Plattformen einzugeben. Zudem werden technische Risiken wie KI-„Halluzinationen“, sogenannte „Prompt Injection“ und Datenvergiftungen thematisiert. Nutzer sind angehalten, KI-generierte Inhalte zu überprüfen und die KI als Hilfsmittel und nicht als Entscheidungsinstanz zu betrachten. Die ethischen und rechtlichen Verantwortlichkeiten werden ebenfalls angesprochen, wobei vor der Erstellung von Fehlinformationen, Deepfakes oder schädlichen Inhalten gewarnt wird.

Die Rolle der UNESCO in der KI-Ethischen Diskussion

Im Kontext der globalen Bemühungen um die verantwortungsvolle Nutzung von KI spielt die UNESCO eine zentrale Rolle. Im November 2021 veröffentlichte die Organisation den ersten globalen Standard für ethische Richtlinien in der Künstlichen Intelligenz, die „Empfehlung zur Ethik der Künstlichen Intelligenz“. Diese Empfehlung gilt für alle 194 Mitgliedstaaten der UNESCO und hat den Schutz der Menschenrechte und der Würde im Zentrum. Sie basiert auf grundlegenden Prinzipien wie Transparenz und Fairness und betont die Notwendigkeit der menschlichen Aufsicht über KI-Systeme.

Die Empfehlungen bieten einen umfassenden Rahmen, der es politischen Entscheidungsträgern ermöglicht, die Kernwerte in die Praxis umzusetzen. Dabei werden relevante Bereiche wie Datenverwaltung, Umwelt und Ökosysteme, Geschlecht, Bildung und Forschung sowie Gesundheit und soziales Wohlbefinden behandelt. Die UNESCO fordert zudem, dass ein Ethical Impact Assessment für KI-Systeme durchgeführt wird, um die Vor- und Nachteile zu bewerten.

Verantwortung und Ethik in der KI-Nutzung

Ein weiterer Aspekt der UNESCO-Empfehlung ist das Vorsorgeprinzip: Bei begründeter Möglichkeit negativer Konsequenzen sollen bestimmte KI-Systeme nicht weiterverfolgt werden. Die Empfehlung spricht sich klar gegen den Einsatz von KI für Massenüberwachung und Social Scoring aus und identifiziert neue Handlungsbedarfe, etwa Maßnahmen gegen Diskriminierung und die Förderung von Vielfalt in der Technologiebranche. Auch der Zusammenhang zwischen Umweltschutz und KI wird thematisiert, wobei der ressourcenschonende Einsatz von KI-Systemen betont wird.

In Deutschland unterstützt die Deutsche UNESCO-Kommission die Umsetzung dieser Empfehlung und berät Ministerien sowie Organisationen. Fachveranstaltungen und wissenschaftliche Gutachten werden organisiert, um konkrete Handlungsansätze zu entwickeln. So wird sichergestellt, dass die ethischen Grundlagen der KI-Entwicklung und -Nutzung nicht nur respektiert, sondern auch gefördert werden.

Insgesamt reflektiert der Entwurf der thailändischen Leitlinie die globalen Bestrebungen, die Öffentlichkeit über die Herausforderungen und Chancen der Künstlichen Intelligenz zu informieren und aufzuklären. Indem Thailand mit dieser Initiative auf die internationalen Standards, wie sie von der UNESCO formuliert wurden, eingeht, trägt es zur Stärkung der öffentlichen KI-Kompetenz und zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger bei. Die Leitlinie ist ein weiterer Schritt in Richtung einer verantwortungsbewussten und ethischen Nutzung von KI in unserem Alltag.