In Thailand hat Anutin Charnvirakul die Parlamentswahlen für sich entschieden. Seine Partei, die Bhumjaithai, konnte 175 Sitze im Parlament erringen, jedoch reicht dies nicht für eine absolute Mehrheit. Mit 198 Sitzen wurde die reformorientierte Volkspartei zweitstärkste Kraft, während die Pheu Thai Party mit 60 Sitzen auf Platz drei landet. Dieser Wahlausgang fordert nun ein geschicktes Taktieren, denn um als neuer Premierminister bestätigt zu werden, muss Anutin eine Koalition bilden. Trotz der politischen Unsicherheiten zeigt sich Anutin optimistisch und erklärt, der Wahlsieg gehöre allen Thailändern und betont die Notwendigkeit, das Land zu einen.
Die Wahl fand unter angespannten Bedingungen statt, da Thailand aktuell in einen Grenzkonflikt mit Kambodscha verwickelt ist. Dies hatte einen erheblichen Einfluss auf den Wahlkampf, wobei Anutin der Armee weitreichende Befugnisse im Zusammenhang mit dem Konflikt erteilt hatte. Analysten erwarten, dass Thailand unter Anutins Führung sich weiter als militärisch verlässlicher, allerdings politisch verwirrender Partner in der internationalen Gemeinschaft positioniert, wobei China als wirtschaftlich und diplomatisch stabiler Partner gilt.
Politische Landschaft und Koalitionsbildung
Die politische Landschaft in Thailand zeigt sich dynamisch: Die Volkspartei unter Natthaphong Ruengpanyawut hat die Niederlage anerkannt und akzeptiert, dass die Bhumjaithai Partei nun die Regierung bilden darf. Dies folgt auf eine turbulente Zeit, wo die Fortschrittspartei bei der letzten Wahl im Jahr 2023 die meisten Stimmen erhielt, allerdings von einer Koalition ausgeschlossen wurde. Anutin, der zuvor Innen- und Gesundheitsminister war und die Entkriminalisierung von Cannabis förderte, hat einen hohen politischen Stammbaum; sein Vater war Ministerpräsident und Innenminister.
Nun könnte ein in Aussicht stehender Koalitionspartner die Pheu-Thai-Partei sein. Diese unterhält eine lange politische Geschichte, nicht zuletzt durch ihre Verbindung zur Inhaftierung von Thaksin Shinawatra, dessen Familie im Land stark polarisiert. Insgesamt wird geschätzt, dass eine Mehrheit von 251 Sitzen benötigt wird, um eine stabile Regierungskoalition zu bilden.
Neue Verfassung und gesellschaftliche Herausforderungen
Parallel zur Wahl haben etwa 60% der Wählerschaft für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung gestimmt, auch wenn es bislang an konkreten Vorschlägen mangelt. Die derzeitige Verfassung wurde nach dem Militärputsch 2014 ausgearbeitet und gibt dem nicht gewählten Senat erheblichen Einfluss. Nun bleibt die Frage, ob diese Zustimmung zu tiefgreifenden Reformen führen wird oder nur eine kosmetische Anpassung darstellt.
Abschließend gilt es abzuwarten, wie Anutin Charnvirakul mit seinen neuen politischen Herausforderungen umgeht. Das Land steht an einem Scheideweg und die kommenden Wochen werden zeigen, ob Anutin ein gutes Händchen bei der Bildung seiner Koalition hat und wie er die inneren und äußeren Spannungen in Thailand managen kann. Thailand blickt gespannt auf die nächsten Schritte ihres neuen Führers.