Bilder von Schlangen, die durch die Luft schwingen, ziehen jeden Tag zahlreiche Zuschauer in Bangkoks historische „Snake Farm“. Hier wird täglich das Gift der hochgiftigen Monokelkobra extrahiert, ein Prozess, der als „Melken“ bekannt ist. Die Schlangendose zieht etwa zwei Dutzend Neugierige an, die fasziniert zusehen, während die wertvollen Tropfen aus den Schlangen geborgen werden. Diese Vitalkraft hat nicht nur lokale Bedeutung, sondern spiegelt auch ein ernstes Gesundheitsproblem wider, denn in Südostasien ereignen sich jährlich Hunderttausende von Schlangenbissen, was zu über 15.000 Todesfällen führt, von denen fast 1.000 Amputationen nach sich ziehen. Die schmerzhafte Realität ist, dass in Thailand etwa 10.000 Schlangenbisse pro Jahr registriert werden, hauptsächlich in ländlichen Gebieten.
Dank der hochwertigen medizinischen Versorgung überlebt der Großteil der Betroffenen, sodass die Zahl der Todesfälle in Thailand bei unter 30 bleibt. Dies ist bemerkenswert, wenn man die über 250 Schlangenarten im Land bedenkt, von denen rund 60 giftig sind. Das gewonnene Gift, das in gelben Glasbehältern gesammelt wird, enthält eine komplexe Mischung aus Toxinen und Enzymen, die gefährliche Gewebezerstörungen verursachen können. Dringend benötigt werden Antivenine, die gegen die verschiedenen Schlangenarten wirken, besonders gegen hämotoxische und neurotoxische Gifte. Jedes Jahr kommen in der Farm des Queen Saovabha Memorial Institute, die 1923 eröffnet wurde und weltweit die zweitälteste ihrer Art ist, neue Schlangen hinzu, um eine zuverlässige Quelle für das Gift sicherzustellen. Seit 1994 betreibt man hier auch die Zucht von Schlangen.
Die Rolle von Antiveninen in der Medizin
Das extrahierte Gift wird an die Abteilung für die Herstellung von Antivenin weitergeleitet. Um die lebensrettenden Antikörper zu gewinnen, injizieren Wissenschaftler kleinen Mengen des Toxins in Pferde, ein Prozess, der als Hyperimmunisierung bekannt ist. In der Medizin wird need, ein gewisses Tierleid in Kauf zu nehmen, um dem Menschen zu helfen. Kritiker warnen jedoch vor den ethischen Bedenken, die mit diesen Praktiken verbunden sind. Nach einem Biss können die Symptome von Schmerzen und Schwellungen bis hin zu Atemstillstand reichen. Um die Versorgung mit Antivenin zu sichern, ist es daher wichtig, synthetische Alternativen zu entwickeln, die nicht nur das Gift neutralisieren, sondern auch die mit der Hyperimmunisierung verbundenen Schwierigkeiten umgehen.
Die globale Herausforderung ist jedoch nicht zu unterschätzen. Weltweit gibt es schätzungsweise 600 giftige Schlangenarten, von denen etwa 200 medizinisch relevant sind. Ein alarmierendes Bild, das von der WHO gezeichnet wird, denn jährlich sterben über 100.000 Menschen an Schlangengift. Die Forschung zu Antiveninen hat lange Zeit hinterhergehinkt, während etwa 300.000 bis 400.000 Menschen mit den Folgen eines Schlangenbisses leben müssen, sagt die WHO. Für diese Herausforderungen wird verstärkt geforscht, um die Entwicklung neuer Antivenine voranzutreiben.
Die Anwendung von Antikörpern spielt eine Schlüsselrolle in dieser Forschung. Der Fall von Tim Friede, der sich über 200 Mal selbst von verschiedenen Giftschlangen beißen ließ, zeigt beeindruckende, aber auch riskante Ansätze zur Entwicklung eines universellen Gegengifts. Mit der Unterstützung führender Immunologen wird daran gearbeitet, Antikörper zu finden, die gegen die Gifte zahlreicher Schlangenarten wirksam sein könnten. Aber Zeit ist ein wesentlicher Faktor: Die Entwicklung solcher Medikamente erfordert umfangreiche Tests und ist oft langwierig.
Obwohl die Schlangenfarm in Bangkok und ihre Arbeiten zur Gewinnung von Gegengiften eine wichtige Rolle im Kampf gegen Schlangenbisse spielen, bleibt der Weg zu einer umfassenden Lösung noch lang. Die Herausforderungen sind mannigfaltig, doch die Hoffnung auf Fortschritte in der Entwicklung effektiver Antivenine bleibt lebendig, nicht zuletzt durch die Pionierarbeit von Wissenschaftlern weltweit.
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