Die geopolitischen Spannungen aufgrund des Ukraine-Konflikts haben weitreichende Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt. Trotz der westlichen Sanktionen und dem eingeführten Ölpreisdeckel gelingt es Russland, seine Rohöl-Exporte über die Vor-Corona-Niveaus hinaus zu steigern. Ein aktueller Bericht des finnischen Think Tanks Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigt, dass die russischen Rohöl-Exporte im vierten Jahr nach der Invasion der Ukraine um sechs Prozent über dem Niveau von 2022 liegen. Dies geschieht hauptsächlich durch eine ausgeklügelte Schattenflotte, die es Russland ermöglicht, westliche Beschränkungen zu umgehen und höhere Exportvolumina zu erzielen.
Die Schattenflotte, die aus alten Tankern mit oft intransparentem Eigentum besteht, hat sich als Schlüsselkomponente für Russlands Ölexportstrategie entwickelt. Laut Schätzungen transportieren rund 85 bis 90 Prozent des russischen Rohöls Schiffe dieser Flotte. Trotz eines Rückgangs der Öleinnahmen, die um 18 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro im Jahr bis zum 24. Februar 2026 gesunken sind, bleibt die Schattenflotte profitabel. Russland muss jedoch Preisnachlässe gewähren, um neue Käufer zu gewinnen, insbesondere in Ländern wie China, Indien und der Türkei, die 93 Prozent des russischen Rohöls importieren.
Die Auswirkungen des Ölpreisdeckels
Der Ölpreisdeckel, der von den G7-Staaten und ihren Partnern in der zweiten Jahreshälfte 2022 eingeführt wurde, soll Russlands Einnahmen aus Ölexporten reduzieren und die Ölpreise stabilisieren. Der Preisdeckel liegt derzeit bei 60 Dollar pro Fass Rohöl. Diese Maßnahme hatte zu einem dramatischen Rückgang von Russlands Einnahmen in den ersten Monaten nach der Einführung des Preisdeckels geführt. Um die Vorgaben zu umgehen, hat Russland eine Schattenflotte entwickelt, die Schiffe ohne Verbindungen zu OPC-Ländern einsetzt, um trotzdem zu Marktpreisen zu exportieren.
Die Schiffe der Schattenflotte sind oft in Ländern mit laxen Regulierungen registriert und weisen häufige Flaggen- und Namenswechsel auf. Dies führt zu einer erheblichen Unklarheit über die genaue Größe der Flotte, die Schätzungen zufolge zwischen 500 und bis zu 1.600 Tankern schwankt. Seit der Einführung des Preisdeckels haben 620 individuelle Schattentanker russisches Öl transportiert. Im Durchschnitt verlassen monatlich etwa 200 beladene Schattentanker die russischen Häfen und transportieren 110 bis 120 Millionen Fass pro Monat.
Umweltbedenken und Sicherheitsrisiken
Die Schattenflotte bringt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch erhebliche Umwelt- und Sicherheitsrisiken mit sich. Die älteren Tanker sind oft unzureichend versichert und registriert in Ländern mit schwacher Regulierung. Dies erhöht die Gefahr von Umweltkatastrophen, insbesondere da viele Schattentanker europäische Gewässer durchqueren. Vorfälle wie Kollisionen und Kontrollverluste zeigen, wie gefährlich die Aktivitäten dieser Flotte sind. Zudem könnte die Schattenflotte auch für hybride Kriegsführung genutzt werden, da sie eine unsichtbare Unterstützung für Russlands Aktivitäten im Ukraine-Konflikt darstellt.
Um diese Herausforderungen zu begegnen, haben die USA, die EU und Großbritannien Sanktionen gegen zahlreiche Schiffe der Schattenflotte verhängt. Aktuell sind 213 Schiffe von den USA, 131 von der EU und 133 von Großbritannien sanktioniert, jedoch variiert die Effektivität dieser Maßnahmen zwischen den Jurisdiktionen. Die Diskussion über die Möglichkeit, Schattentanker physisch zu stoppen, bleibt kompliziert, denn hohe rechtliche Hürden im Seerecht erschweren Kontrollen in internationalen Gewässern. Die EU plant regelmäßige Überprüfungen des Versicherungsstatus von Schattentankern, um potenzielle Risiken zu minimieren.
In Anbetracht dieser Entwicklungen ist es klar, dass die russische Schattenflotte trotz aller Sanktionen weiterhin aktiv und profitabel bleibt. Die EU setzt auf eine Kombination aus Sanktionen und dem G7-Preisdeckel, um den Einfluss der Schattenflotte zu verringern und die Unterstützung Russlands im Ukraine-Konflikt durch Energieexporte zu unterbinden. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden, um diesem komplexen Problem zu begegnen.
Für weitere Informationen zu diesem Thema besuchen Sie bitte die Bangkok Post, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Welle.