Am Sonntag, den 8. Februar 2026, stehen in Thailand die Neuwahlen an, die nach Jahren politischer Unruhen und fragiler Koalitionen stattfinden. Rund 53 Millionen Wähler sind aufgerufen, darüber zu entscheiden, welche Richtung das Land in Zukunft einschlagen wird. Dabei stehen drei Hauptparteien im Fokus: Die Bhumjaithai-Partei unter der Führung von Premierminister Anutin Charnvirakul, die populistische Pheu Thai Partei sowie die reformorientierte Volkspartei. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass keine der großen Parteien eine absolute Mehrheit im Parlament erreichen wird, was die politische Landschaft weiterhin machtvoll fragmentiert. Laut einer Umfrage kommt die People’s Party auf 34,2 Prozent, während Bhumjaithai bei 22,6 Prozent liegt und Pheu Thai auf etwa 17 Prozent tänzelt, was das drittbeste Ergebnis darstellt. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass die Popularität der einst dominierenden Dynamiken hinterfragt wird, während Reformideen Hoch im Kurs stehen und gleichzeitig die nationalistische Stimmung befeuert wird.

In den letzten Wochen war an der thailändisch-kambodschanischen Grenze eine Waffenruhe eingetreten, nachdem Konflikte zwischen den beiden Ländern im Dezember 2025 erneut aufflammten. Anutin Charnvirakul hat seine Kampagne stark auf Nationalismus ausgerichtet und verspricht, Thailand mit seinem Leben zu schützen. Dieses Versprechen hat ihm geholfen, aus seiner einstigen Kleinpartei zu einem wichtigen Akteur im konservativen Establishment aufzusteigen. Man könnte sagen, Bhumjaithai hat da ein gutes Händchen bewiesen. Sie bieten nun Einkaufszuschüsse für Lebensmittel und Alltagsartikel an, um die Wähler zu gewinnen.

Pheu Thai und die Erbschaft des Thaksin Shinawatra

Auf der anderen Seite steht die Pheu Thai Partei, die einst unter der Führung des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra eine Hochblüte erlebte. Thaksin, der aufgrund alter Korruptionsvorwürfe eine einjährige Haftstrafe absitzt, zieht immer noch Schatten auf die aktuelle politische Bühne. Seine Tochter Paetongtarn, die ebenfalls in der Partei aktiv ist, sieht sich derzeit einem Skandal gegenüber, der dem Image der Partei schadet. Eine Regierungsbeteiligung wäre für Pheu Thai von größter Wichtigkeit, da sie versuchen, Thaksins frühzeitige Entlassung aus der Haft zu bewirken. Es wird spekuliert, dass Bhumjaithai als potenzieller Koalitionspartner für Pheu Thai infrage kommen könnte, was die Dynamik der Wahlen noch weiter beeinflussen könnte.

Zusätzlich hat die Political People’s Party, die aus der zuvor aufgelösten Move Forward Party hervorging, ihre Agenda modernisiert, um eine gemäßigtere Stimme in der politischen Arena zu sein. Der Vorsitzende Natthaphong Ruengpanyawut konzentriert sich auf die Modernisierung der Streitkräfte und versucht, die Wähler von den nationalistischen und populistischen Bewegungen zu überzeugen.

Die Herausforderungen Thailands

Der thailändische Wahlkampf findet auch vor dem Hintergrund eines schwächelnden Wirtschaftswachstums statt, das bei etwa zwei Prozent liegt. Politische Instabilität, nachlassende Exporte und ein schwacher Tourismussektor haben zu dieser Lage beigetragen. Experten sind der Meinung, dass eine neue Verfassung unerlässlich wäre, um die Machtverteilung innerhalb des politischen Systems zu reformieren und zu verbessern. Parallel zur Wahl werden die Bürger auch über die Verfassung von 2017 abstimmen. Ein mehrheitliches „Ja“ würde dem Parlament die Möglichkeit geben, einen Prozess zur Erarbeitung einer neuen Verfassung einzuleiten.

Was wird die Wahl für Thailand bringen? Ein Wettlauf um Einfluss und Macht, der sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Die Wähler stehen an einem entscheidenden Punkt, an dem sie nicht nur ihre Stimmen abgeben, sondern auch über die Richtung und Stabilität ihres Landes entscheiden.

FAZ, Channel News Asia, DW