Am 8. Februar 2026 war es endlich so weit: Die Thailänder:innen haben ihre Stimmen bei den Parlamentswahlen abgegeben. Das Ergebnis ist deutlich und kann als eine Wende für die politische Landschaft des Landes betrachtet werden. Die konservative Partei Bhumjaithai unter der Führung von Ministerpräsident Anutin Charnvirakul kam auf etwa 200 von 500 Sitzen im Repräsentantenhaus, was den Weg für eine neue Regierung ebnen könnte. Anutin erklärte, dass sein Wahlsieg „allen Thailändern gehört, egal ob sie für uns gestimmt haben oder nicht“ – eine Geste, die sowohl Verbundenheit als auch Verantwortung signalisiert.

Ungeachtet der Erfolge von Bhumjaithai muss jedoch betont werden, dass die größte Oppositionspartei, die Volkspartei, nur rund 100 Sitze errang und ihre Niederlage nun eingestanden hat. Dies ist ein bemerkenswerter Rückschritt, da die Volkspartei in Umfragen vor der Wahl noch vorne lag. In der Hauptstadt Bangkok dominierte die Volkspartei lokalspezifisch alle Wahlbezirke, hat aber angekündigt, sich der Opposition anzuschließen, um das demokratische System zu respektieren.

Referendum für eine neue Verfassung

Besonders herausragend an diesen Wahlen war das begleitende Referendum zu einer neuen Verfassung, das erstmals parallel zu den Parlamentswahlen stattfand. Hier stimmte eine klare Mehrheit der Wähler für die Einleitung eines Reformprozesses, um die veraltete und militärisch beeinflusste Verfassung von 2017 zu überarbeiten. Die derzeitige Verfassung stärkt nicht gewählte Institutionen und stellt damit die demokratischen Strukturen Thailands in Frage. Rund 53 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, und die Wahlbeteiligung war hoch.

Die Pheu-Thai-Partei, angeführt von Ex-Regierungschef Thaksin Shinawatra, landete auf dem dritten Platz. Trotz ihrer Niederlage könnte sie als wichtiger Koalitionspartner für zukünftige Regierungsbildungen in Betracht gezogen werden. Es bleibt abzuwarten, mit welchen politischen Allianzen Bhumjaithai eine stabile Regierung formen kann, da keine Partei eine absolute Mehrheit erreicht hat.

Politische Hintergründe und Herausforderungen

Die Wahl fand unter angespannten Bedingungen statt, insbesondere wegen des anhaltenden Grenzkonflikts mit Kambodscha. Anutin hatte wenige Monate vor den Wahlen umfassende Befugnisse an die Armee im Kontext dieses Konflikts übertragen. Die politische Situation in Thailand ist seit Jahren instabil: Nach der letzten Wahl 2023 hatten sich bereits mehrere Koalitionsregierungen gebildet, die jedoch durch gerichtliche Entscheidungen engmaschig beeinflusst wurden. Anutin übernahm erst im September 2022 das Amt, nachdem seine Vorgängerin Paetongtarn Shinawatra aufgrund des Grenzkonflikts abgesetzt worden war.

Die kommende Regierungsperiode wird also nicht nur von der Notwendigkeit geprägt sein, gegenwärtige Herausforderungen zu bewältigen, sondern auch durch den anstehenden Reformprozess der Verfassung. Die Bhumjaithai-Partei will das Vertrauen, das ihr die Wähler entgegengebracht haben, honorieren und plant, eine stärkere Regierung zu bilden. Doch die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen versprechen alles andere als einfach zu werden.

Die politischen Entwicklungen in Thailand stehen also auf der Kippe – und alle Augen werden nun auf die neuen Verhandlungen gerichtet sein. Kann es Anutin gelingen, ein stabiles und funktionierendes Regierungsteam zu bilden? Die politische Bühne ist bereitet, und die nächsten Schritte könnten wegweisend für die Zukunft des Landes sein.

Für weitere Informationen zu den Parlamentswahlen und den aktuellen politischen Entwicklungen in Thailand können Sie die Berichte von Die Zeit, Tagesschau, sowie die umfassenden Hintergründe auf Wikipedia nachlesen.