Bangkok, die pulsierende Hauptstadt Thailands, steht kurz vor entscheidenden Parlamentswahlen am Sonntag. Während die politischen Vertreter sich die Stimmen der Bürger sichern, wirft eine Analyse einen kritischen Blick auf die wirtschaftliche Situation im Land. Wie der „Wochenblitz“ berichtete, ist es für viele Thais eine Frage des Überlebens, ob sie mit einer Million Baht (etwa 27.000 Euro) 14 Jahre lang auskommen können. Die Redaktion ist sich einig: Mit 6.000 Baht (160 Euro) monatlich zu leben, ist mehr als fraglich.

Die Problematik der Verschuldung ist dabei nicht von der Hand zu weisen. Die Privathaushalte in Thailand tragen eine Gesamtverschuldung, die fast 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Besonders betroffen sind Angestellte im Alter von 40 bis 45 Jahren, die oft von den hohen Schuldenströmen überwältigt sind. Laut dem Global Innovation Index steht Thailand auf Platz 45 und hat derzeit mit stagnierenden Einkommen und strukturellen Problemen zu kämpfen. Der Internationaler Währungsfonds (IWF) warnt vor der aktuellen Schuldenentwicklung und rät, die Schuldenobergrenze auf 60 Prozent des BIP zu senken, da die Staatsverschuldung bereits 12,12 Billionen Baht (ca. 64,5 Prozent des BIP) erreicht hat.

Wirtschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen

Eine zusätzliche Herausforderung, die die thailändische Wirtschaft bedrängt, ist die sinkende Inflationsrate, die im Januar 2026 auf minus 0,66 Prozent fiel. Viele Thais leben von Kreditkarten und versuchen, ihre Finanzen mit zunehmendem Druck auszugleichen. Die durchschnittlichen Schulden pro Haushalt belaufen sich auf rund 700.000 Baht (19.000 Euro), während 24 Millionen Kreditkarten im Umlauf sind. Viele dieser Karten werden erst zum Jahresende ausgeglichen, was den finanziellen Druck auf die Haushalte weiter erhöht.

In der Industrie sieht die Lage nicht viel besser aus. Im Jahr 2013 produzierte die Autoindustrie noch 2,5 Millionen Fahrzeuge, 2022 sank diese Zahl auf weniger als 1,5 Millionen Autos. Die stärkere Präsenz chinesischer Elektroautos und eine Aufwertung der thailändischen Währung setzen die heimische Produktion unter Druck. Ökonomen warnen, dass diese Entwicklungen Thailand möglicherweise den Status eines „Tigerstaats“ kosten könnten, da Konkurrenzländer wie Vietnam schneller wachsen.

Ein Ausblick nach den Wahlen

Die kommenden Wahlen könnten entscheidend dafür sein, wie Thailand mit seinen wirtschaftlichen Krisen umgeht. Nach der Wahl wird ein „ökonomisches Dream-Team“ gefordert, das die Herausforderungen struktureller Art angeht. Ministerpräsident Anutin Charnvirakul betonte die Notwendigkeit von Sicherheit für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Viele Thais hoffen, dass politische Veränderungen zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen führen werden.

Wirken sich die Wahlen positiv auf die finanzielle Stabilität der Haushalte aus? Die Thailänder stehen vor einer Zäsur, und es liegt an den neuen Entscheidungsträgern, das nötige Vertrauen zurückzugewinnen und die wirtschaftliche Zukunft des Landes zu sichern. Doch bis dahin bleibt die Situation angespannt, und die Bürger müssen weiterhin von der Hand in den Mund leben.