In Thailand stehen die Hochschulen an einem entscheidenden Wendepunkt. Nach der Parlamentswahl am 8. Februar laufen derzeit Verhandlungen zwischen politischen Parteien um die Kontrolle des Ministeriums für Hochschulbildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation. Die konservative Bhumjaithai-Partei hat die meisten Sitze gewonnen und führt die Gespräche zur Regierungsbildung. Beide Hauptparteien, Bhumjaithai und die populistische Pheu Thai, streben die Kontrolle über das Ministerium an, da es mit einem wachsenden Budget ausgestattet ist. Akademiker betonen, dass die Entscheidungen, die hier getroffen werden, maßgeblich die zukünftige Ausrichtung der Hochschulbildung beeinflussen werden. Thanapan Laiprakobsup vom ASEAN University Network Secretariat hebt hervor, dass Bhumjaithai den Fokus auf ländliche Hochschulen legen würde, während Pheu Thai die Innovation und Kommerzialisierung von Forschung betonen möchte.
Die Situation wird durch bereits laufende Finanzierungsreformen komplizierter, die, laut Sivarin Lertpusit von der Thammasat University, die Ungleichheiten im System weiter verschärfen könnten. Der Rückgang der Studierendenzahlen könnte dazu führen, dass das Budget des Ministeriums allmählich schrumpft und eine Umverteilung der Mittel notwendig wird. Die Hochschulen stehen unter Druck, ihre Einnahmequellen zu diversifizieren, was wiederum höhere Studiengebühren für die Studierenden zur Folge haben könnte. Zudem wird die Unterstützung für sozialwissenschaftliche Forschung reduziert, während gleichzeitig die Finanzierung für strategische Forschung zunimmt, was die akademische Autonomie einschränken könnte. Diese Entwicklungen sind Teil einer breiteren Diskussion über die Herausforderungen, denen sich die Hochschulbildung in Thailand gegenübersieht, die bis in die Zeit von König Rama IV. zurückreicht, als erste Reformen eingeleitet wurden. Die aktuelle Lage ist ein Spiegelbild dieser historischen Herausforderungen.
Die Rolle der Bildung im Wandel
Im Kontext der vierten industriellen Revolution ist eine Reform der Hochschulbildung unabdingbar. Die Notwendigkeit, sich an die sich verändernden Anforderungen der Wirtschaft und Gesellschaft anzupassen, ist offensichtlich. Faktoren wie sinkende Geburtenraten und eine alternde Bevölkerung sowie technologische Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Künstlicher Intelligenz (KI) machen es erforderlich, dass sich die Hochschulen anpassen. Der thailändische Bildungssektor hat sich bereits in den letzten Jahren durch Initiativen wie die 20-jährige Bildungsstrategie (2018-2037) gewandelt, die signifikante strukturelle Veränderungen mit sich brachte. Ein zentraler Aspekt dieser Reformen ist die Entwicklung von „akademischen Praktikern“, die theoretisches Wissen mit praktischen Anwendungen kombinieren.
Um auf die veränderten Lernbedürfnisse einzugehen, müssen Hochschulen ihre Lehransätze anpassen. Der Zugang zu Lernmaterialien hat sich durch Online-Plattformen wie Google, YouTube, Coursera und Khan Academy erheblich vereinfacht. Dies hat nicht nur die Anforderungen der Lernenden verändert, sondern auch die Art und Weise, wie Bildung vermittelt wird. In diesem Zusammenhang ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Akademikern und Praktikern unerlässlich, um die Bedürfnisse der Gemeinschaften zu erfüllen und die lokale Entwicklung zu fördern.
Die Herausforderungen der Hochschulbildung
Ein weiteres zentrales Thema ist die Finanzierungsstruktur der Hochschulen. Thailändische Hochschulen sind größtenteils finanziell selbstverwaltet, was sie zwingt, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Der Rückgang der Neuanmeldungen an den Universitäten um mehr als 20 Prozent seit 2011 ist alarmierend und führt dazu, dass einige private Hochschulen schließen mussten. Derzeit sind etwa 2,5 Millionen Studierende an rund 160 staatlich anerkannten Universitäten eingeschrieben, von denen die Hälfte privat betrieben wird. Die Herausforderungen, die diese Entwicklungen mit sich bringen, wirken sich auf die gesamte Struktur des Bildungssystems aus. Die bilaterale Bildungszusammenarbeit mit Ländern wie Deutschland könnte hier neue Perspektiven eröffnen.
Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Thailand ist durch zahlreiche Wissenschafts- und Forschungsprojekte sowie Universitätskooperationen gekennzeichnet. Thailand investiert erheblich in die Entwicklung seines Bildungswesens und strebt danach, die Ausbildung zu verbessern, um die wachsende Mittelschicht zu bedienen, die großen Wert auf Bildung legt. Angesichts der Herausforderungen und Chancen, die die Hochschulbildung in Thailand bietet, wird deutlich, dass die kommenden Jahre entscheidend sein werden – sowohl für die akademische Gemeinschaft als auch für die Gesellschaft insgesamt.