In einem besorgniserregenden Vorfall sind in der nordthailändischen Provinz Chiang Mai mindestens 72 Tiger an einem Virusausbruch gestorben. Diese Tragödie ereignete sich zwischen dem 9. und 18. Februar und betrifft hauptsächlich zwei privat betriebene Tierparks: Tiger Kingdom Mae Taeng, wo 51 Tiger starben, und Tiger Kingdom Mae Rim, wo 21 Tiger verendeten. Die Berichterstattung stammt von der Bangkok Post und hat bereits weltweit für Aufsehen gesorgt. Die thailändischen Behörden haben eine umfassende Untersuchung des Virusausbruchs eingeleitet, der in den beliebten Tierparks, die Interaktionen mit den großen Katzen ermöglichen, stattfand. Weitere Informationen sind hier zu finden.

Die ersten Untersuchungen ergaben, dass die Tiger mit dem Canine Distemper Virus (CDV) infiziert waren, einer Viruskrankheit, die üblicherweise bei Hunden vorkommt, aber auch große Katzen befallen kann. Dies wurde von Somchuan Ratanamungklanon, dem Generaldirektor der thailändischen Abteilung für Viehzuchtentwicklung, bestätigt. Zudem wurden in Autopsien auch Spuren von feline parvovirus und Mycoplasma-Bakterien in den verstorbenen Tieren festgestellt. Im Gegensatz zu anfänglichen Befürchtungen wurden sowohl bei den Tigerkadavern als auch bei den Hühnern, die den Tigern gefüttert wurden, keine Hinweise auf die Vogelgrippe (avian influenza) gefunden. Die Behörden hatten vorübergehend den Tiger Kingdom Mae Rim für 14 Tage geschlossen und den Zugang zu beiden Einrichtungen eingeschränkt, um weitere Übertragungen zu verhindern.

Die Herausforderung der Behandlung

Die Behandlung von Tigern gestaltet sich als deutlich anspruchsvoller als bei Haustieren, da die großen Katzen kaum Kontakt zu Menschen haben. Die Übertragung von Krankheiten erfolgt oft durch Kontakt mit Körperausscheidungen und kontaminierten Gegenständen. Daher haben die Behörden strenge Biosecurity-Maßnahmen eingeführt, um die Krankheitsübertragung zu begrenzen. Überlebende Tiger wurden in Quarantäne- und Pflegezentren verlegt, wo sie überwacht werden. Zusätzlich ist geplant, gesunde Tiere zu impfen, um zukünftige Ausbrüche zu verhindern.

Eine weitere Besorgnis ist die Inzucht unter den gefangenen Tigerpopulationen, die möglicherweise deren Immunsystem geschwächt hat und sie anfälliger für Infektionen macht. Diese Thematik wird auch durch eine Studie über das canine Staupevirus (CDV) untermauert, die zwischen Mai 2016 und Oktober 2020 durchgeführt wurde. In dieser Untersuchung wurden hohe Morbiditäts- und Mortalitätsraten festgestellt, wobei 50 % der Tiger zwei Jahre nach einer Infektion überlebten. Alle verdächtigen und bestätigten CDV-Fälle waren erheblich mit Larynxentzündungen assoziiert. Weitere Details zu dieser Studie finden Sie hier.

Öffentliche Reaktionen und Tierschutz

Die Vorfälle in Chiang Mai haben auch Tierschutzorganisationen auf den Plan gerufen. PETA Asia hat die Bedingungen, unter denen die Tigers leben, kritisiert und einen Zusammenhang zwischen dem Tourismus und der Profitabilität solcher Einrichtungen hergestellt. Thailand hat in der Vergangenheit bereits mit Ausbrüchen zu kämpfen gehabt; 2004 starben mindestens 147 Tiger aufgrund von H5N1 avian influenza. Die aktuelle Situation wirft erneut Fragen zur Ethik und zum Wohlergehen der Tiere in Gefangenschaft auf.

Die Entwicklungen in Chiang Mai zeigen, wie anfällig eingesperrte Tierpopulationen gegenüber Krankheiten sind und wie wichtig es ist, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um deren Gesundheit und Wohlbefinden sicherzustellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Behörden aus diesem tragischen Vorfall lernen und in Zukunft bessere Bedingungen für die Tiere schaffen.