Im April 2025 erregten Videos von der Auslosung der thailändischen Wehrdienstpflichtigen in sozialen Netzwerken großes Aufsehen. Die emotionalen Reaktionen der jungen Männer, die zwischen Tränen und Jubel schwanken, fesselten Millionen von Internetnutzern. Besonders bemerkenswert war ein junger Thailänder, der sich in einem der viral gegangenen Videos einem zweijährigen Militärdienst entziehen konnte. Inmitten dieser turbulenten Zeit erklärte Netiwit Chotiphatphaisal, der erste Wehrdienstverweigerer Thailands, die Regeln der Wehrdienstlotterie. Aude-Marie Lalanne Berdouticq, Historikerin und Soziologin, analysierte in diesem Kontext die Geschichte dieses Übergangsritus für Männer (Quelle).
Doch die Situation für Chotiphatphaisal eskalierte weiter. Am 09. Juni 2025 wurde gegen ihn Anklage erhoben, nachdem er bereits am 05. April 2024 seine Einberufung zum Militär in Frage stellte. In einem bewegenden Zitat erklärte er: „Jeder ist ein Mensch. Ich werde niemanden töten.“ Diese mutige Haltung hat ihn in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und wirft Fragen zur Anerkennung von Kriegsdienstverweigerung in Thailand auf. An einer internationalen Konferenz zur Kriegsdienstverweigerung in Seoul, Südkorea, im November 2023 wurden die Auswirkungen von Militärdienst und Gewalt im Alltag in Thailand diskutiert (Quelle).
Einblicke in die rechtliche Lage
Am 5. April 2024 bekräftigte Chotiphatphaisal vor dem Rekrutierungsbüro in Samut Prakarn seine Kriegsdienstverweigerung, nachdem seine Zurückstellung als Student endete. Trotz dieser öffentlichen Erklärung blieb eine Verhaftung aus, doch das rechtliche Risiko ist hoch. Thailand erkennt das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht an, und verschiedene Organisationen wie Connection e.V. und War Resisters’ International fordern die volle Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung. Sie setzen sich dafür ein, dass Chotiphatphaisal als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wird und dass ihm keine strafrechtlichen Konsequenzen drohen (Quelle).
Obwohl ihm derzeit keine Haft droht, könnte ihm ein Strafverfahren wegen seiner pazifistischen und politisch motivierten Verweigerung ins Haus stehen, das mit einer möglichen Haftstrafe von bis zu drei Jahren enden könnte. Diese Entwicklungen zeichnen ein komplexes Bild von der Situation der Wehrdienstverweigerer in Thailand und werfen grundlegende Fragen zur Menschenrechtslage und zur Möglichkeit des gewaltfreien Widerstands auf.