Die Spannungen an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha nehmen zu, trotz eines Waffenstillstands, der seit dem 27. Dezember 2022 in Kraft ist. Kambodschas Premierminister Hun Manet hat kürzlich thailändische Truppen beschuldigt, kambodschanisches Territorium zu besetzen. Er fordert Bangkok auf, eine gemeinsame Grenzkommission (JBC) arbeiten zu lassen, um die strittigen Gebietsansprüche zu klären. Die Situation ist besonders angespannt, da thailändische Soldaten Schiffscontainer und Stacheldraht auf als kambodschanisch anerkanntem Gebiet errichtet haben, was dazu führt, dass Bewohner nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Thailand wiederum bestreitet diese Vorwürfe und erklärt, dass die Truppenpositionen Teil von Deeskalationsmaßnahmen seien. Der Grenzkonflikt, der seinen Ursprung in den 1950er Jahren hat und historische Wurzeln in der Kolonialzeit besitzt, hat bereits Hunderttausende von Menschen vertrieben und den Handel entlang der 817 km langen Grenze zum Erliegen gebracht (Berliner Zeitung).
Die Kämpfe zwischen thailändischen und kambodschanischen Streitkräften dauern an und haben seit Beginn der Konflikte mindestens 33 Menschenleben gefordert. Bis zu 200.000 Menschen wurden vertrieben, wobei 138.000 Flüchtlinge auf thailändischer und 80.000 auf kambodschanischer Seite registriert wurden. Der kambodschanische Ministerpräsident Hun Manet hat dem Vorschlag von US-Präsident Donald Trump für einen sofortigen Waffenstillstand zugestimmt, während Thailands Übergangsministerpräsident Phumtham Wechayachai grundlegende Zustimmung signalisiert, jedoch ernsthafte Friedensabsichten von Kambodscha fordert. Die beiderseitige Schuldzuweisung bezüglich der Eskalation der Gewalt hat die Situation weiter verkompliziert (Tagesschau).
Historische Hintergründe und aktuelle Entwicklungen
Der Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha reicht über 100 Jahre zurück und ist durch die Grenzziehung im Smaragd-Dreieck, das die Provinzen Surin, Oddar Meanchey und Laos umfasst, geprägt. Die kolonialen Wurzeln des Konflikts gehen auf das Jahr 1907 zurück, als französische Kartografen die Grenze festlegten, die Thailand nun als ungenau und benachteiligend betrachtet. Insbesondere der Preah-Vihear-Tempel steht im Mittelpunkt des Streits; der Internationale Gerichtshof entschied 1962, dass der Tempel zu Kambodscha gehört, ließ jedoch das umliegende Gebiet offen, was zu anhaltenden Spannungen führte (Deutschlandfunk).
Die Kämpfe, die seit Dezember 2025 wieder aufflammten, haben zu massiven Zerstörungen geführt. Artillerie- und Luftangriffe haben Dörfer zerstört, und über eine halbe Million Menschen sind aus dem Grenzgebiet auf der Flucht. Die UNESCO äußert Besorgnis über die Kämpfe in der Nähe des Preah-Vihear-Tempels, während Thailand vor der Gefahr einer Eskalation zu einem Krieg warnt. Politikwissenschaftler verweisen darauf, dass die innenpolitischen Faktoren in beiden Ländern, in denen sowohl Hun Manet als auch der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul unter Druck stehen, zur Verschärfung des Konflikts beitragen (Deutschlandfunk).
Die Situation bleibt fragil, und während Trumps Engagement die Beziehungen zwischen Washington und Phnom Penh verbessert hat, bleibt die Frage, ob die Bemühungen zur Deeskalation fruchten werden. Die internationale Gemeinschaft und insbesondere Malaysia spielen eine zentrale Rolle als Vermittler, während China sich zurückhaltend verhält. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um zu beobachten, ob ein dauerhafter Frieden in dieser konfliktbeladenen Region möglich ist.