In den letzten Wochen ist das Thema der Flughafenabgaben in Thailand und Deutschland in den Fokus gerückt. Während Thailand plant, die Passagiergebühr (Passenger Service Charge, PSC) von 730 Baht auf 1.120 Baht zu erhöhen, was einen Anstieg von über 50% für reisende Passagiere bedeutet, stellt sich die Frage, wie sich solche Erhöhungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Tourismus auswirken. Diese Erhöhung könnte nicht nur die Reisekosten für internationale Touristen beeinflussen, sondern auch die Preisgestaltung der Airlines und das Buchungsverhalten der Reisenden. Die Airports of Thailand (AOT), die große Flughäfen wie Suvarnabhumi und Don Mueang betreiben, sind hierbei in einer entscheidenden Rolle, da sie einen erheblichen Teil der Wirtschaft des Landes abdecken.
Ein weiterer Punkt, der zur Diskussion steht, ist die Diversifizierung der Flughafeneinnahmen. Die Erhöhung der PSC wirft Fragen auf, ob Thailand zu sehr von den Einnahmen aus Passagiergebühren abhängig ist. Viele führende Flughäfen weltweit konzentrieren sich zunehmend auf nicht-aeronautische Einnahmen, wie Einzelhandel und Werbung, um den Druck auf Passagiergebühren zu verringern. Wenn die Gebühren jedoch steigen, könnte das Thailands Ruf als „Wertdestination“ gefährden, insbesondere wenn Nachbarländer niedrigere Kosten anbieten. In einer Zeit, in der die Kostensensibilität im Wettbewerb der Billigfluggesellschaften hoch ist, könnte dieses Vorgehen die Reisentscheidungen erheblich beeinflussen.
Herausforderungen für den deutschen Luftverkehr
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland, wo die Wettbewerbsfähigkeit des Passagierflugverkehrs zunehmend gefährdet ist. Hohe Steuern und Gebühren haben dazu geführt, dass die Flugpreise von deutschen Flughäfen zwischen 2019 und 2024 um rund 56% gestiegen sind. Der Flughafenverband ADV warnt, dass die staatlichen Standortkosten für Kurz- und Mittelstreckenflüge im Jahr 2024 bis zu 170% höher ausfallen könnten als bei europäischen Nachbarn. Diese hohen Kosten haben dazu geführt, dass Deutschland im europaweiten Vergleich der Passagierzahlen zu den Schlusslichtern gehört. Airlines wie Ryanair reagieren darauf, indem sie Flugzeuge teilweise in Ländern mit niedrigeren Kosten einsetzen oder die Preise erhöhen, was die Unklarheit über die Preisentwicklung weiter verstärkt.
Die hohe Luftverkehrsabgabe hat direkte Auswirkungen auf das Reiseverhalten. Christoph Debus, CEO der DERTOUR Group, hat beispielsweise auf die hohen Abgaben hingewiesen, die Familien für Reisen nach Ägypten oder in die USA zahlen müssen. Eine vierköpfige Familie könnte fast 300 Euro für einen Flug in die USA aufbringen müssen. Dies führt dazu, dass weniger Fluggäste weniger Geschäft für Hotels, Reiseveranstalter und Messen bedeuten, was die gesamte Tourismuswirtschaft in Deutschland beeinträchtigt.
Politische Maßnahmen und Zukunftsausblick
Bundeskanzler Merz hat die Thematik der hohen Standortkosten im Luftverkehr zur Chefsache erklärt. Diese Problematik wird Teil der Kabinettsklausur am 30.09. und 01.10.2025 sein. Sören Hartmann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), fordert eine Senkung der Luftverkehrsteuer als ersten Schritt zur Entlastung. Deutschland liegt im Vergleich von 31 europäischen Ländern bei der Erholung der Passagierzahlen auf dem viertletzten Platz, was die Dringlichkeit dieser Maßnahmen unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl Thailand als auch Deutschland vor ähnlichen Herausforderungen im Bereich der Flughafenfinanzierung und der touristischen Wettbewerbsfähigkeit stehen. Die Erhöhungen der Passagiergebühren und die hohen Standortkosten könnten langfristige Auswirkungen auf die Attraktivität dieser Reiseziele haben und sollten daher sorgfältig beobachtet werden. Die Diskussion um die Diversifizierung der Einnahmen und die Senkung der Abgaben wird entscheidend sein, um die Zukunft des Luftverkehrs und die Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus zu sichern.