In Thailand zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab: Immer mehr junge Paare und Stadtbewohner entscheiden sich für Haustiere anstelle von Kindern. Diese Entwicklung, die als „pet parenting“ bekannt ist, wird durch sinkende Geburtenraten und veränderte Lebensstile vorangetrieben. Tatsächlich hat die Bevölkerung Thailands seit 2020 abgenommen, und bis Ende 2024 wird ein Rückgang auf schätzungsweise 66 Millionen Menschen erwartet. Im ersten Quartal 2025 wurden weniger als 100.000 Babys geboren, während die Sterbefälle die 147.000 überschritten. Die Gesamtnatürlichkeit liegt unter 1 und hat in den letzten Jahren um etwa 10% jährlich abgenommen. Umfragen zeigen, dass fast die Hälfte der Thailänder es vorzieht, Haustiere zu adoptieren, statt Kinder zu bekommen, wobei 49% Haustiere wie Kinder behandeln und 53% sie als Familienmitglieder betrachten. Diese Tendenz hat sich besonders nach COVID-19 verstärkt, insbesondere unter städtischen Millennials und Gen Z. Bis 2025 wird die Anzahl der Haustiere in Thailand voraussichtlich 5,38 Millionen überschreiten, darunter etwa 3,45 Millionen Hunde und 1,94 Millionen Katzen.
Der Anstieg der Katzenhaltung ist besonders auffällig, mit einer Wachstumsrate von 28% pro Jahr zwischen 2021 und 2024, während Hunde mit 19% wachsen. Die gesamte Haustierwirtschaft in Thailand wird auf über 250 Milliarden Baht (ca. 7,5 Milliarden US-Dollar) geschätzt und wächst jährlich um 5% bis 7%. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Verkäufe von Haustierfutter, die 2024 1,6 Milliarden US-Dollar erreichen und 2025 auf 2,2 Milliarden US-Dollar steigen sollen. In den letzten Jahren haben mehr als 2.000 haustierfreundliche Hotels und Unterkünfte in Thailand eröffnet, wobei große Hotelketten spezielle Annehmlichkeiten für Haustiere anbieten. Auch die Gastronomie passt sich an; in Städten wie Pattaya, Bangkok und Chiang Mai werden haustierfreundliche Cafés und Restaurants immer häufiger, manche mit speziellen Menüs für Tiere.
Die Entwicklung der Haustierkultur
Die Verbesserung der öffentlichen Parks mit Hundebereichen und haustierfreundlichen Zonen spiegelt den Trend wider, den Lebensraum für Haustiere zu erweitern. Private Projekte, die kleine Hundeparks anbieten, sind ebenfalls im Kommen. Neue Wohnanlagen berücksichtigen zunehmend die Bedürfnisse von Haustierbesitzern und bieten Annehmlichkeiten wie Hundespielplätze und Grooming-Stationen. Viele Eigentumswohnungen verlangen, dass Haustiere in Gemeinschaftsbereichen an der Leine geführt werden und haben spezifische Richtlinien zur Tierhaltung, die auf die Größe der Einheit abgestimmt sind. Darüber hinaus setzen sich viele Tierbesitzer dafür ein, dass Fluggesellschaften Haustiere in der Kabine erlauben, da die meisten thailändischen Fluggesellschaften bislang nur den Transport im Frachtraum gestatten.
Die Tourismusbehörde Thailands hat großes Interesse daran, haustierfreundlichen Tourismus zu fördern, was die gesellschaftliche Wertschätzung für Haustiere weiter steigert. Die kulturelle Wende hin zu einer stärkeren Einbeziehung von Haustieren in das tägliche Leben ist deutlich spürbar und zeigt sich auch in verschiedenen Sektoren wie Immobilien und Einzelhandel. In der Tat gibt es Anzeichen dafür, dass Unternehmen, die keine haustierfreundlichen Optionen anbieten, Gefahr laufen, Kunden zu verlieren.
Ein globaler Trend
Diese Entwicklungen in Thailand sind Teil eines globalen Trends, den wir auch in anderen Ländern beobachten können. Laut dem APPA 2025 Industry Report besitzen in den USA 94 Millionen Haushalte, also 71%, ein Haustier. Dies ist ein Anstieg von 56% seit 1988, dem Jahr, in dem die Erfassung von Haustierbesitz-Trends begann. Fast 60% der Haustierbesitzer in den USA sind weiblich und Millennials stellen die größte Gruppe von Haustierbesitzern dar. Der Anstieg des Haustierbesitzes ist auch in anderen Ländern zu beobachten, wie beispielsweise in Australien und Neuseeland, wo die meisten Haushalte ebenfalls Haustiere halten.
Insgesamt zeigt die Situation in Thailand, dass sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier zunehmend verändert. Haustiere werden nicht nur als Tiere betrachtet, sondern als vollwertige Familienmitglieder, was weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche hat. In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft verändert, werden Haustiere zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens und tragen zur Lebensqualität ihrer Besitzer bei.