In Thailand sind die Herausforderungen durch Luftverschmutzung besonders groß, und die Hauptstadt Bangkok ist dabei ein Hotspot für dramatische Luftqualität. In der Stadt wird die Bevölkerung aufgefordert, sich möglichst wenig im Freien aufzuhalten und Fenster geschlossen zu halten. Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da die PM2,5-Luftverschmutzung am Nachmittag 16 Mal höher ist als der von der WHO empfohlene Richtwert. Der Smog, der hauptsächlich durch starken Autoverkehr, fossile Brennstoffe und Fabriken in der Umgebung verursacht wird, hat bereits zur Schließung von 350 Schulen geführt, was 100 mehr ist als am Vortag. Um die Luftqualität zu verbessern, kündigte Verkehrsminister Suriya Jungrungreangkit sogar die kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel an, um die Menschen dazu zu bewegen, Bus und Bahn zu nutzen und den Verkehr zu entlasten. Besorgniserregend ist auch die Entdeckung brennender Reis- und Zuckerrohrfelder in der Umgebung, trotz eines Verbots von Brandrodungen nach der Ernte (T-Online).
Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, hat das Nationale Nanotechnologiezentrum Thailands (Nanotec) in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Umweltverschmutzungskontrolle und der Elektrizitätsbehörde ein innovatives Projekt ins Leben gerufen. Herzstück ist das „E-Nase“-System, ein intelligenter Sensor, der chemische Signaturen von Emissionsquellen identifizieren kann. Dr. Rungroj Maulanon von NANOTEC erläuterte in einem Vortrag, dass das E-Nasen-System sich deutlich von herkömmlichen Messstationen unterscheidet, da es nicht nur PM2,5-Konzentrationen erfasst, sondern darüber hinaus auch als eine Art „künstlicher Geruchssinn“ fungiert. Das System erkennt chemische Verbindungen und Gase in der Luft, wobei jede Emissionsquelle eine einzigartige chemische Signatur aufweist, die zur Identifizierung beiträgt. So können beispielsweise Emissionen von Biomasseverbrennung, Verkehr und industriellen Aktivitäten differenziert werden (Vietnam.vn).
Technologische Innovationen zur Luftreinhaltung
Die exakte Überwachung der Luftqualität ist laut thailändischen Umweltbehörden eine Grundvoraussetzung für die effektive Bekämpfung der Umweltverschmutzung. Die Datenplattform des E-Nasen-Systems soll nicht nur der Entwicklung von Luftreinhaltepolitiken dienen, sondern auch die Umsetzung von Gegenmaßnahmen und die Durchsetzung von Umweltvorschriften unterstützen. Die Installation und Datenerfassung des Systems sollen bis 2026 abgeschlossen sein, wobei Nanotec auch einen Technologietransfer an Unternehmen in Betracht zieht, um die Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie zu erweitern.
Experten sehen in der Kombination aus intelligenten Sensoren, künstlicher Intelligenz und Big Data einen potenziellen Durchbruch im Luftreinhaltemanagement. Effektive Umsetzungen dieser Technologien könnten Thailand erheblich dabei helfen, die Feinstaubbelastung zu bewältigen und die technologischen Fähigkeiten des Landes zu verbessern. Der Luftqualitätsindex (AQI) zeigt, dass Thailand im Jahr 2024 mit einer PM2.5-Konzentration von vier Mal über dem Jahresrichtwert der WHO zu den am stärksten belasteten Ländern gehört (IQAir).
Aktuelle Situation und Ausblick
Die Herausforderungen durch den Smog sind nicht nur in Bangkok allgegenwärtig. Laut aktuellen Daten sind Städte wie Mae Mo, Trat und Pattaya unter den am stärksten verschmutzten in Thailand, während Ban Ko Kaeo und Phetchabun zu den am wenigsten belasteten zählen. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass die Luftqualitätsproblematik in Thailand regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Mit einem globalen Rang von 45 unter 138 Ländern in Bezug auf Luftverschmutzung zeigt sich, dass auch andere Länder mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.
Die Entwicklungen rund um das E-Nasen-System und die damit verbundenen Maßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die thailändische Regierung und die Wissenschaft sind gefordert, gemeinsam Lösungen zu finden, um die Luftqualität zu verbessern und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Der Weg ist steinig, aber mit innovativen Ansätzen könnte eine bessere Zukunft in greifbare Nähe rücken.