In Thailand, dem weltweit zweitgrößten Reisexporteur, stehen die Weichen für eine nachhaltige Zukunft der Reisproduktion. Die „Premium Rice“-Initiative, die von Handelsminister Suphajee Suthumpun Ende 2025 ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, den Wert thailändischen Reises durch die Schaffung eines Premium-Marktes um 5 bis 10 Mal zu steigern. Ein zentrales Anliegen dieser Initiative ist die Verarbeitung von lokalem Reis nach hohen Standards sowie der Aufbau globaler Marken, die den Landwirten zusätzlichen Mehrwert bieten sollen. Am 11. Februar 2026 skizzierte das Nationale Reis-Politik- und Management-Unterkomitee (NPMC) das Projekt „Premium Rice: High Quality and Value-Added“. Das Ziel ist eine Produktion von 1 Million Tonnen, aufgeteilt in 700.000 Tonnen Niedrig-CO2-Reis und 300.000 Tonnen Bio-Reis, mit einem Budget von 586,2 Millionen THB für die Verwaltung des Projekts. Allerdings ist der Markt für Bio- und Niedrig-CO2-Reis derzeit noch begrenzt und wird als Nischenmarkt betrachtet, wobei die Hauptabnehmer aktuell in der Europäischen Union zu finden sind, wo die Nachfrage nach thailändischem Reis noch nicht hoch ist. Größere Märkte wie die Philippinen und Indonesien haben diese Standards noch nicht priorisiert (Quelle).
Die Herausforderungen, vor denen die thailändischen Reisbauern stehen, sind vielfältig. Steigende Produktionskosten, Schädlingsausbrüche und die Unberechenbarkeit des Wetters durch den Klimawandel setzen den Landwirten zu. In diesem Kontext ist die Förderung nachhaltiger Reisbaupraktiken von enormer Bedeutung. Ein öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt, das CropLife International, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das thailändische Ministerium für Landwirtschaft und Genossenschaften umfasst, hat sich zum Ziel gesetzt, die Reisproduktion nachhaltiger zu gestalten. Dies geschieht durch Techniken wie das Management von Schädlingen, alternierende Bewässerung und emissionsarme Anbaumethoden. Über die letzten zehn Jahre konnten Landwirte durch verbesserte Praktiken Ertragssteigerungen von 10-15% und Kostenreduzierungen von 10-20% verzeichnen. Ein Programm namens Inclusive Sustainable Rice Landscapes (ISRL) will bis 2027 45.000 Landwirte erreichen und über 3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen (Quelle).
Die Rolle der Landwirtschaft für Thailand
Die Landwirtschaft ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der thailändischen Wirtschaft, sondern auch ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität des Landes, die fast vier Millionen Haushalte unterstützt. Doch die strukturellen Herausforderungen sind groß: Die Landwirtschaft ist überwiegend kleinbäuerlich strukturiert, und ein Wandel steht bevor, da viele Betriebsleiter älter werden und die Rentabilität nicht ausreicht. Die Bodenfruchtbarkeit nimmt aufgrund ungeeigneter Bewirtschaftungsmethoden und einem übermäßigen Einsatz von Agrochemikalien ab. Landwirten fehlt oft die Erfahrung im Umgang mit den Umweltauswirkungen ihrer Praktiken und der Minderung von Klimawandelrisiken (Quelle).
Ein neues Projekt, das am 1. Januar 2024 startet, zielt darauf ab, die thailändische Regierung bei der Transformation des Agrar- und Lebensmittelsektors zu unterstützen. Ziel ist es, Netzwerke zwischen thailändischen und ausländischen Akteuren in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten aufzubauen und innovative Lösungen auf Basis von Agrarökologie zu demonstrieren. Dabei stehen Effizienzsteigerungen und Produktivitätsverbesserungen durch Mechanisierung und Digitalisierung im Vordergrund. Durch den Einsatz nachhaltiger Praktiken soll nicht nur die Bodenfruchtbarkeit erhöht, sondern auch die Feinstaubbelastung durch alternative Nutzung von Ernterückständen reduziert werden.
Insgesamt zeigt sich, dass Thailand auf einem guten Weg ist, seine Landwirtschaft durch innovative Ansätze und nachhaltige Praktiken zukunftsfähig zu gestalten. Durch die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, finanziellen Instrumenten und dem Wissen der Landwirte kann das Land nicht nur seine Umweltziele erreichen, sondern auch die Lebensgrundlagen der Menschen, die vom Reis abhängen, sichern.