In Pattaya, einer Stadt, die stark vom Nachtleben abhängig ist, verbringen ausländische Touristen ihre Abende in den zahlreichen Bars. Doch die Abhängigkeit von einem einseitigen Tourismusmodell wirft Fragen zur Nachhaltigkeit, Preisgestaltung und den damit verbundenen Risiken auf. Kritiker befürchten, dass das Argument, Pattaya benötige „chinesische Touristen mehr denn je“, problematisch ist und auf lange Sicht die Stabilität der lokalen Ökonomie gefährden könnte. Eine einseitige Marktstrategie kann kurzfristig Entlastung bringen, schafft jedoch langfristig Fragilität. Wenn der Markt langsamer wird oder wirtschaftliche Probleme auftreten, sind die Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft spürbar.
Eine widerstandsfähige Tourismusstadt sollte nicht von einer bestimmten Nationalität oder deren Ausgabeverhalten abhängen. Um echte Erholung zu ermöglichen, ist es notwendig, ein breites Spektrum an Besuchern anzusprechen, einschließlich Familien, regionalen Reisenden und Budgetgästen. Vielfalt wird als grundlegendes Risikomanagement betrachtet, um die Abhängigkeit von einem einzigen Markt zu vermeiden. Daher wird die Frage, ob eine „Erholung“ in der gewohnten Form möglich ist, immer drängender. Aktuelle Maßnahmen wie die Lockerung der Alkoholverkaufszeiten werden als unzureichend angesehen, und die kurzfristige Gewinnmaximierung in der Nachtwirtschaft steht in der Kritik. Überzogene Preise und aggressive Geschäftspraktiken vertreiben zunehmend Touristen, was zu einem Reputationsschaden führen kann, dessen Folgen weitreichend sind.
Innovationen im Nachttourismus
Um diese Herausforderungen anzugehen, trafen sich am 2. Dezember 2025 hochrangige Vertreter der Stadt Pattaya zum zweiten Workshop für „Kreativen Nachttourismus“. Ziel ist es, Pattaya als Vorreiter für kreativen Nachttourismus in Thailand zu positionieren. Der Workshop fand im Dee Room des Pattaya Discovery Beach Hotels statt und wurde vom Tourismusreferat des Ministeriums für Tourismus und Sport geleitet. Anwesend waren unter anderem der stellvertretende Bürgermeister Damrongkiat Pinijkarn sowie weitere städtische Beamte.
Die Initiative ist Teil einer nationalen Strategie zur Entwicklung einer nachhaltigen und hochwertigen Nachtwirtschaft. Der Fokus liegt darauf, hochwertige, auf lokaler Identität basierende Tourismuserlebnisse zu schaffen und innovative Formate einzuführen. Die Teilnehmer erarbeiteten Entwicklungskomponenten wie Masterpläne und räumliche Zonierung für kreative nächtliche Tourismuszonen sowie nächtliche Tourismusrouten, die das Stadtzentrum und umliegende Gebiete miteinander verbinden. Zudem wurden Best-Practice-Modelle für das Governance und Management des Nachttourismus entwickelt und Methoden zur Erfassung nächtlicher Tourismuseinnahmen diskutiert.
Nachhaltigkeit im Tourismus
Diese Bemühungen sind vor dem Hintergrund der globalen Diskussion über nachhaltigen Tourismus zu betrachten, die durch den Branchendialog „Tourismus für nachhaltige Entwicklung“ unterstützt wird. Dieser wurde 2016 ins Leben gerufen und erhält Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ziel des Dialogs ist es, die positiven Effekte des Tourismus für nachhaltige Entwicklung in den Ländern des Globalen Südens zu fördern. Hierbei stehen die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe und der Erhalt von Natur und Kultur im Vordergrund.
Die Risiken einer unkontrollierten Tourismusentwicklung machen deutlich, dass gemeinschaftliches Engagement notwendig ist, um positive Effekte zu erzielen. In diesem Kontext könnte Pattaya als Vorzeigemodell für kreative und nachhaltige Tourismusstrategien dienen, wenn die Ergebnisse der Workshops in ein nationales Netzwerk für kreativen Nachttourismus integriert werden. So könnte sich die Stadt nicht nur wirtschaftlich stabilisieren, sondern auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des gesamten Landes leisten.