Heute ist der 21.02.2026 und in Phuket laufen die Gespräche zwischen Thailand und Myanmar auf Hochtouren. Ziel dieser informellen Gespräche, geführt von Thailands Außenminister Sihasak Phuangketkeow und seinem myanmarischen Amtskollegen U Than Swe, ist die Wiederbelebung der Beziehungen Myanmars zur ASEAN. Diese waren nach dem Militärputsch vor fünf Jahren stark belastet. Die Minister diskutierten auch über die Bekämpfung von Online-Betrug und mögliche Wege zur Förderung einer abgestimmten Wiederannäherung zwischen ASEAN und Myanmar, wobei Thailand als Brücke fungieren soll.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda war die Unterstützung positiver Entwicklungen in Myanmar, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen und die Bildung einer neuen Regierung. Myanmar hat am 25. Januar 2023 seine dreiphasigen Wahlen abgeschlossen, die erste Wahl seit dem Militärputsch im Februar 2021. Berichten zufolge hat die militärgestützte Union Solidarity and Development Party einen überwältigenden Sieg errungen und wird bald die neue Regierung bilden. Laut den myanmarischen Staatsmedien wurden auch transnationale Verbrechen wie Online-Betrug, Menschenhandel und Drogenhandel thematisiert, was die Dringlichkeit dieser Gespräche unterstreicht.

Die Schattenseite der Digitalisierung

Während sich die politischen Beziehungen zu stabilisieren scheinen, steht Myanmar vor einer enormen Herausforderung: die Bekämpfung von Online-Betrug. Laut einer aktuellen U.N. Studie sind in Myanmar schätzungsweise 120.000 Menschen und in Kambodscha etwa 100.000 Menschen gezwungen, in Online-Betrugsoperationen zu arbeiten. Diese Menschen werden oft durch falsche Jobangebote angelockt und ihre Pässe werden häufig konfisziert, was ihre Situation noch verzweifelter macht. In diesem Kontext ist es alarmierend, dass kürzlich in Kambodscha der Tycoon Chen Zhi verhaftet und an die USA ausgeliefert wurde. Er wird beschuldigt, ein riesiges Online-Betrugsnetzwerk geleitet zu haben, das weltweit Opfer betrogen hat.

Die Betrugsoperationen sind häufig gut organisiert und verfügen über große Komplexe mit Wohnquartieren und Freizeitmöglichkeiten für die Arbeiter. Viele dieser Betrüger nutzen KI-gestützte Übersetzungstools, um potenzielle Opfer weltweit anzusprechen. Die Kombination aus der Pandemie und der Digitalisierung hat diesen Markt nur noch befeuert, und die Folgen sind verheerend. Der weltweite Schaden durch Online-Betrug wird für 2024 auf etwa eine Billion Euro geschätzt.

Rettungsaktionen und ihre Herausforderungen

In den letzten Wochen wurden Tausende Menschen aus Betrugszentren in Myanmar befreit. Rund 7.000 Männer und Frauen, die oft mit falschen Jobangeboten nach Myanmar gelockt wurden, fanden den Weg in Sicherheit – ein Erfolg, der maßgeblich durch den Druck der Nachbarstaaten ermöglicht wurde. Faysal, ein 21-jähriger Mann aus Bangladesch, berichtete von seinen extremen Erfahrungen in einem Betrugszentrum, wo er täglich Menschen über Messengerdienste ansprach und unter ständiger Drohung arbeiten musste.

Die Befreiungsaktionen wurden durch die Entführung des chinesischen Schauspielers Wang Xing ausgelöst, was den Druck auf Thailand und Myanmar erhöhte. Thailand hat daraufhin Maßnahmen ergriffen, um die Betrugszentren zu bekämpfen, darunter auch die Unterbrechung von Strom- und Internetversorgung. Allerdings bleibt die Frage, wie effektiv diese Maßnahmen sein können, solange die Drahtzieher der Betrugsoperationen weiterhin ungestraft bleiben.

Die Situation der befreiten Menschen in den Lagern ist prekär, mit unzureichenden sanitären Einrichtungen und der ständigen Gefahr von Krankheitsausbrüchen. Es ist ungewiss, wer in diesen Lagern tatsächlich Opfer und wer Täter ist, da einige Personen freiwillig nach Myanmar gereist sind, um ihr Glück zu versuchen. Die Herausforderungen in dieser Region sind gewaltig, und die kommenden Gespräche zwischen Thailand und Myanmar könnten entscheidend sein, um diese Krise anzugehen, wie auch die Bemühungen zur Wiederherstellung der politischen Stabilität in Myanmar und der Beziehungen zur ASEAN.