In Thailand sorgt ein spektakulärer Vorfall für Aufsehen, der nicht nur rechtliche, sondern auch gesellschaftliche Fragen aufwirft. Ein 22-jähriger Cannabisverkäufer in Pathum Thani wurde Opfer eines Überfalls, bei dem eine Gruppe von zehn Männern, darunter mindestens zwei Polizeibeamte, über 800.000 Baht in bar sowie Cannabis-Pflanzen im Wert von über 2,2 Millionen Baht stahl. Der junge Verkäufer, der über eine Genehmigung für den Anbau und Verkauf von Cannabis verfügt, berichtete, dass die Täter fälschlicherweise behaupteten, er würde illegal Cannabisprodukte vertreiben. Der Vorfall ereignete sich am 11. Februar 2026 und wurde von dem Verkäufer auf seiner Facebook-Seite Jmoi V+ dokumentiert.

Die Männer, die sich als Polizeibeamte ausgaben, trugen eine Uniform und präsentierten einen Durchsuchungsbefehl. Sie drangen in sein Haus in Bang Khu Wat ein, zerstörten die Überwachungskameras und bedrohten den Verkäufer mit Waffen, bevor sie flüchteten. Insgesamt wurden über 100 Kilogramm Cannabisblüten entwendet, was zu einem Gesamtschaden von mehr als 3 Millionen Baht führte. Der Verkäufer wandte sich am 12. Februar an die Mueang Pathum Thani Polizeistation, doch die mutmaßlichen Täter waren nicht zu finden. Es wurden sechs Haftbefehle ausgestellt, während weitere Verdächtige weiterhin untersucht werden.

Die Reaktion der Behörden

Pol. Col. Wiwat Asawawiboon, der Leiter der Pathum Thani Stadtpolizei, bestätigte, dass es sich bei dem Überfall um eine gut organisierte Gruppe handelte. Er stellte klar, dass keiner der Verdächtigen unter seinem Kommando steht. Die Täter hatten sich in fünf Fahrzeugen, darunter ein schwarzer Honda Accord und ein weißer geschlossener Pickup, zum Tatort begeben. Die Polizei hat bereits drei Verdächtige identifiziert, darunter einen Polizeikapitän und einen Mann, der sich als Assistent von Polizeibeamten ausgab. Alle drei bestreiten die Vorwürfe und befinden sich derzeit in Gewahrsam zur Befragung.

Der Vorfall wirft nicht nur Fragen zur Integrität der Polizei auf, sondern auch zur aktuellen Situation rund um die Legalisierung von Cannabis in Thailand. Vor drei Jahren wurde Cannabis als erstes Land in Asien weitgehend legalisiert, was zu einem Boom im Cannabis-Tourismus führte. Derzeit plant die thailändische Regierung, den Verkauf von Cannabis künftig nur noch auf Rezept für medizinische Zwecke zu erlauben. Dies könnte unklare Auswirkungen auf die Branche haben, da viele Verkäufer und Shop-Besitzer besorgt über die geplanten Änderungen sind. Kritiker, darunter auch die britische Regierung, äußern Bedenken über den Cannabis-Schmuggel durch Touristen, während in der Bevölkerung der Ruf nach mehr Regulierung und Kontrolle lauter wird.

Ein Blick in die Zukunft

Schätzungen zufolge gibt es in Thailand etwa 18.000 Cannabis-Shops, und die Einnahmen durch Cannabis-Tourismus werden auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt. Dennoch zeigen Studien eine Zunahme von Süchtigen und psychischen Problemen durch den Konsum von Cannabis, was die Diskussion über die Legalisierung weiter anheizt. Mönche in Drogen-Entzugstempeln berichten von einem Anstieg der Cannabis-Sucht seit der Legalisierung, was die Debatte um die gesellschaftlichen Auswirkungen der Cannabis-Kultur in Thailand weiter intensiviert.

Der Überfall auf den Cannabisverkäufer ist ein weiteres Kapitel in der komplexen Geschichte der Cannabis-Legalisierung in Thailand und wirft einen Schatten auf die Zukunft der Branche. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen dieser Vorfall für die beteiligten Polizeibeamten und die rechtlichen Rahmenbedingungen für Cannabis in Thailand haben wird.