Die Spannungen zwischen Kambodscha und Thailand sind in den letzten Monaten dramatisch angestiegen. Kambodschas Premierminister Hun Manet hat öffentlich erklärt, dass thailändische Streitkräfte kambodschanisches Territorium besetzen. Diese Behauptung steht im Widerspruch zu einem Friedensabkommen, das von US-Präsident Donald Trump vermittelt wurde. Hun Manet forderte Thailand auf, die Arbeit einer gemeinsamen Grenzkommission (JBC) an der umstrittenen Grenze zu ermöglichen, um die Situation zu deeskalieren. Trotz eines im Dezember geschlossenen Waffenstillstands bezeichnete er die Lage an der Grenze als „fragil“. Thailand hingegen wies den Vorwurf der Gebietsbesetzung zurück und erklärte, die Truppenstellungen seien Teil von Deeskalationsmaßnahmen.
Die Kämpfe, die im Juli 2025 ausbrachen, zählen zu den schwersten seit über einem Jahrzehnt und haben bereits Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Diese Konflikte betreffen vor allem die Grenzregion, die sich über 800 Kilometer erstreckt, und haben zu erheblichen Handelsstörungen geführt. Ein im Oktober 2025 unterzeichneter Friedensvertrag brach innerhalb weniger Wochen zusammen, was zu einer erneuten Eskalation der Gewalt führte. Hun Manet berichtete, dass thailändische Truppen in kambodschanisches Gebiet eingedrungen seien und dort Schiffscontainer sowie Stacheldraht aufgestellt hätten, was er als Verletzung der kambodschanischen Souveränität bezeichnete.
Historische Wurzeln des Konflikts
Der Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha hat koloniale Wurzeln. Bereits 1907 legten französische Kartografen die Grenze fest, was zu langanhaltenden Auseinandersetzungen führte. Besonders umkämpft ist der Preah-Vihear-Tempel, dessen Zugehörigkeit 1962 vom Internationalen Gerichtshof zugunsten Kambodschas entschieden wurde, während das umliegende Gebiet offen blieb. Politikwissenschaftler Felix Heiduk beschreibt die Verhandlungen als komplex, wobei Trump eine bedeutende Rolle beim Vermitteln spielte. Malaysia hat sich als aktiver regionaler Vermittler positioniert, während China sich bislang zurückhält.
Der aktuelle Konflikt hat auch innere politische Dimensionen. In Thailand steht Regierungschef Anutin Charnvirakul unter Druck, da die Kämpfe und Naturkatastrophen die Bevölkerung belasten. Vorgezogene Neuwahlen wurden angekündigt, was die Situation weiter kompliziert. Während die thailändische Regierung die militärische Überlegenheit nutzt und F-16-Kampfflugzeuge einsetzt, leidet die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten unter den Auseinandersetzungen. Der kambodschanische Informationsminister berichtete von fast 55.000 Evakuierten, und die UNESCO äußerte Besorgnis über die Kämpfe in der Nähe des Preah-Vihear-Tempels.
Zukunftsausblick und internationale Reaktionen
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Situation mit Sorge. Hun Manet, der Sohn des langjährigen Regierungschefs Hun Sen, hat in Washington an einer Sitzung von Trumps Board of Peace teilgenommen, in der Hoffnung, dass das Gremium zur Deeskalation der Grenzsituation beitragen kann. Zudem hofft er, dass Thailand nach den Wahlen am 8. Februar 2026 auf technischer Ebene mit den Grenzmarkierungsarbeiten beginnen kann. Der Konflikt könnte die Beziehungen zwischen Kambodscha und den USA weiter festigen, während Hun Manet betont, dass die Beziehungen zu China und den USA „nicht gegenseitig ausschließend“ seien.
Insgesamt bleibt die Lage an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha angespannt. Die Kämpfe haben nicht nur humanitäre Folgen, sondern auch weitreichende politische Implikationen für beide Länder. Die internationale Gemeinschaft, einschließlich des UNO-Sicherheitsrats, wird weiterhin gefordert sein, um eine dauerhafte Lösung zu finden und den Frieden in der Region zu sichern. Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die vollständige Berichterstattung auf Marketscreener, Deutschlandfunk und Tagesschau nachlesen.