Am 9. Februar 2026 hat Thailand ein entscheidendes Referendum zur Frage einer neuen Verfassung abgehalten. Diese Abstimmung stand im Zeichen der Hoffnung vieler Thailänder auf eine Reform, die die seit 2017 geltende, von Militärs unterstützte Verfassung ablösen soll. Laut ConstitutionNet stimmten rund 60% der Wähler für eine Neufassung, während etwa 32% sich gegen den neuen Verfassungsentwurf aussprachen. Die vorläufigen Ergebnisse basieren auf 94% der abgestimmten Stimmen, was auf ein starkes Interesse der Bevölkerung hinweist.
Insgesamt nahmen knapp 33 Millionen Bürger an der Abstimmung teil, wovon 30.099.138 Stimmen als gültig anerkannt wurden. Von diesen stimmten mehr als 19,6 Millionen, also rund 65%, für den Vorschlag, während etwa 10,4 Millionen (34,57%) gegen die Neuerung votierten. Zudem gab es eine signifikante Anzahl ungültiger Stimmen — insgesamt mehr als 2,8 Millionen, was 8,67% ausmachte. Es zeigt sich, dass das Thema vielen Bürgern am Herzen liegt und sie sich aktiv an dem demokratischen Prozess beteiligen wollen.
Der politische Kontext
Das Referendum ist nicht nur eine Wahl, sondern auch ein wichtiger Schritt im langersehnten Prozess der politischen Reform. Der Ministerpräsident Anutin Charnvirakul hatte die Durchführung des Referendums am 23. Dezember 2025 initiiert. Er wählte den Termin so, dass er mit den allgemeinen Wahlen 2026 zusammenfiel, um die verwendeten öffentlichen Mittel möglichst effizient einzusetzen. Im Vorfeld wurde rechtlich festgelegt, dass zur Schaffung einer neuen Verfassung drei Referenden erforderlich sind. Der erste Schritt war die Zustimmung zur Erstellung einer neuen Verfassung, die am 6. Februar 2026 von 80 pro-demokratischen und Menschenrechtsorganisationen unterstützt wurde, wie Wikipedia berichtet.
Der Streit um die Verfassung ist Teil eines langwierigen Konflikts zwischen dem konservativen, militärisch geprägten Establishment und den demokratischen Bewegungen in Thailand. Seit der Verfassungsänderung 2017, die keine vollständige Überarbeitung vorsieht, hat sich die Zerrissenheit innerhalb der thailändischen Politik weiter verstärkt. Dabei ist die politische Landschaft in Thailand seit Jahrzehnten von Militärputsch und instabilen Regierungen geprägt. Letztlich wurden mehrere Entwürfe zur Verfassungsänderung von verschiedenen politischen Parteien eingereicht, darunter auch die People’s Party, Pheu Thai und Bhumjaithai, wobei der Entwurf von Pheu Thai abgelehnt wurde, da er nicht die notwendige Unterstützung im Senat erhielt.
Die Rolle der Zivilgesellschaft
Eine lebendige Zivilgesellschaft und zahlreiche Nichtregierungsorganisationen unterstützen den Reformprozess und zeigen, wie wichtig die Verfassung für die thailändische Bevölkerung ist. Thailand hat eine bemerkenswerte Geschichte; als einziges Land in Südostasien wurde es nie kolonialisiert und ist Gründungsmitglied von ASEAN. Mit einer zentralistischen Regierungsform und einem König, der als Staatsoberhaupt agiert, ist das politische System in ständigem Wandel und unterliegt vielfältigen Einflüssen, wie auswaertiges-amt.de erläutert.
Diese Wahl und das Referendum sind Ausdruck des Wunsches der Bevölkerung nach mehr Mitbestimmung und einer klaren Richtungsänderung in der thailändischen Politik. Da bleibt abzuwarten, wie sich der Prozess der Verfassungsreform weiter entwickelt und welche Veränderungen sich in der thailändischen Gesellschaft vollziehen werden.