In Thailand zeichnet sich ein wegweisender politischer Umbruch ab. Wie Channel News Asia berichtet, hat Außenminister Sihasak Phuangketkeow, der kürzlich zum zweiten Ministerpräsident-Kandidaten der regierenden Bhumjaithai-Partei ernannt wurde, die Bedeutung einer klaren Außenpolitik in den Mittelpunkt gerückt. In seinem Interview betonte er, dass Außenpolitik nicht länger als Randthema behandelt werden dürfe, sondern als essenziell für Frieden, Stabilität und Wohlstand erkannt werden müsse. Er hofft, dass mehr Bürger verstehen, wie Außenpolitik ihr tägliches Leben beeinflusst.
Ein klarer Fokus der Strategie ist, Thailand über den aktuellen Konflikt mit Kambodscha hinauszuführen und dem Land ein Comeback auf der internationalen Bühne zu ermöglichen. Der Minister hat in den letzten Monaten erleben müssen, wie angespannt die Beziehungen zu Kambodscha sind, vor allem nach einem Vorfall, der zu einer politischen Krise führte. Wie Nation Thailand berichtet, sieht Sihasak Thailand “auf dem richtigen Weg” und glaubt, dass eine starke Einheit zwischen Militär und Diplomatie entscheidend ist. Er zeigt auch Bereitschaft zu Verhandlungen, stellt aber klar, dass diese nur im Zeichen von Aufrichtigkeit seitens Kambodschas stattfinden können.
Aktuelle Herausforderungen und langfristige Visionen
Der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha, der an der über 800 Kilometer langen Grenze herrscht, ist nicht neu und begleitet das Land seit über einem Jahrhundert. Politisch gesehen ist Thailand jedoch in einer tiefen Krise. Wie Tagesschau berichtet, wurde Premierministerin Paetongtarn Shinawatra aufgrund schwerer politischer Affären vom Verfassungsgericht suspendiert. Die Situation spitzt sich zu, da die thailändische Politik seit Jahrzehnten zwischen der Militärherrschaft und gewählten Politikern schwankt, was unumstritten zu einem Vertrauensverlust in demokratische Institutionen führt.
Sihasak hat klare Vorstellungen für die zukünftige Außenpolitik Thailands: Der Ansatz soll eine Balance zwischen kurzfristigen Herausforderungen und langfristigen Zielen finden. Kurzfristig strebt er die Überwindung des Konflikts mit Kambodscha an. In einer proaktiven Rolle will er zudem die Stabilität in Myanmar unterstützen, um Frieden in der Region zu fördern. In einer Zeit, in der Thailand auf globaler Ebene eine führende Rolle einnehmen möchte, ist es wichtig, mit „Ehre und Würde“ auf der großen Bühne zurückzukehren.
Die politische Lage bleibt angespannt, während das Land ohne klare Führung dasteht. Der Verlust von Vertrauen in demokratische Parteien, vor allem in ländlichen Gebieten, zeigt, dass die Vergangenheit des Thaksin-Clans weiterhin Schatten wirft. Das Militär, das in den letzten zwanzig Jahren nicht weniger als zwei Putsche durchgeführt hat, bleibt eine dominierende Kraft in der thailändischen Politik. Der im Jahr 2017 verabschiedete Verfassungsrahmen hat die Machtverhältnisse weiter zementiert.
Thailand ist zwar als Stabilitätsanker in Südostasien bekannt, sieht sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. Unter anderem könnten drohende US-Zölle von 36 Prozent auf Exporte eine ernsthafte wirtschaftliche Gefahr darstellen, denn fast 20 Prozent der Exporte gehen in die USA. In dieser von Unsicherheiten geprägten Lage bleibt die Frage, wie lange die innere Stabilität und der wirtschaftliche Aufschwung aufrechterhalten werden können.