Heute, am 8. Februar 2026, ist Thailand im Spannungsfeld zwischen politischen Hoffnungen und wirtschaftlichen Sorgen. Im Vorfeld der Parlamentswahl, die landesweit am Sonntag ansteht, hat das Militär traditionell seinen Einfluss auf die Regierungsbildung. Die Bürger fragen sich, ob das Militär bereit ist, das Ergebnis zu akzeptieren oder ob wir es mit einer weiteren Herausforderung für die Demokratie zu tun haben werden. Der 32-jährige Marktbeschicker Patsakol Tongyen aus Bangkok äußert sich pessimistisch über die steigenden Lebenshaltungskosten und den Rückgang seiner Kunden. Er hofft, dass die Wahl frischen Wind in die Wirtschaftspolitik bringen wird, um die Situation zu verbessern. Mit rund 53 Millionen wahlberechtigten Bürgern steht ein wichtiger Tag bevor.
In den Umfragen liegt die People’s Party, die als antimilitärisch und monarchiekritisch gilt, vorn. Diese Partei entstand aus der Move-Forward-Partei, die bei den letzten Wahlen in der Opposition blieb. Ihr Vorsitzender, der 38-jährige Nattaphong Ruengpanyawut, zeigt sich optimistisch, dass die People’s Party die Regierungsbildung anführen könnte. Im Kontrast dazu steht die Bhumjaithai-Partei, angeführt von Premierminister Anutin Charnvirakul, der sich als Garant für Sicherheit und Stabilität positioniert und dabei von der patriotisch-nationalistischen Stimmung im Land profitiert.
Wahlkampf und Politische Herausforderungen
Die Pheu Thai Party, die stark mit der Familie Shinawatra verbunden ist, hat in der Wählergunst nachgelassen und wird in Umfragen nur auf den dritten Platz mit rund 16 Prozent geschätzt. Der Parteivorsitzende, Yodchanan Wongsawat, ist Neffe des verurteilten Ex-Premiers Thaksin Shinawatra. Während sich die Partei bemüht, ihren Einfluss zurückzugewinnen, sehen Kritiker sie als einen Familienbetrieb und nicht als eine wahre politische Kraft. Der Einfluss von Thaksin ist jedoch nicht zu unterschätzen; er hatte in den frühen 2000er Jahren großes Vertrauen unter den Wählern genossen. Politikwissenschaftler betonen, dass die Pheu Thai ein wichtiger Akteur bleiben könnte, selbst wenn keine der Parteien eine absolute Mehrheit gewinnen sollte.
Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem zeitgleich stattfindenden Verfassungsreferendum, das über eine Ablösung der 2017 vom Militär verabschiedeten Verfassung abstimmen wird. Ein “Ja” könnte dem neuen Parlament das Mandat erteilen, eine neue Verfassung auszuarbeiten, die eine bessere Machtverteilung und ein Gleichgewicht zwischen den politischen Institutionen schaffen könnte. Ob damit die politische Stabilität zurückkehrt, bleibt fraglich, denn die Umstände bleiben angespannt.
Wirtschaftliche Perspektiven und Ausblick
Die wirtschaftliche Lage in Thailand ist nicht gerade rosig. Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft stark belastet, und zusammen mit der politischen Instabilität stagnierte die Wirtschaft weiter. Ausländische Investoren zeigen sich zunehmend desinteressiert, während viele Bürger hohe Schulden zu tragen haben. Wie Patsakol Tongyen es treffend formuliert: „Da liegt was an“, und die Menschen hoffen auf Verbesserungen. Professor Prinya Thaewanarumitkul hebt hervor, dass Korruption ein zentrales Problem darstellt, und fordert eine effektive Regierung.
Wie es auch ausgehen wird, die Wahlen könnten zum Zünglein an der Wage für die Zukunft Thailands werden. Der Ausgang bleibt ungewiss, aber die Wähler sind auf jeden Fall entschlossen, ein Zeichen zu setzen. Die Teilnahme an den Wahlen und am Verfassungsreferendum könnte den entscheidenden Unterschied machen.